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Landratsamt Dillingen a.d.Donau

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Letzte Änderung:
17.11.2017
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Kreisklinik St. Elisabeth als Akademisches Lehrkrankenhaus der TU München anerkannt

Kreiskliniken

„Die medizinische Versorgung der Menschen im ländlichen Raum ist eines der dringendsten Probleme unseres Gesundheitswesens.“ Dieses aktuelle Zitat des Bundes-Gesundheitsministeriums findet sich im Titel des 100 Seiten starken Antrags, mit dem unter Initiative und Federführung der Chefärztin der Inneren Abteilung an der Kreisklinik St. Elisabeth in Dillingen a.d.Donau, Dr. med. Ulrike Bechtel, die Anerkennung der Kreisklinik als akademisches Lehrkrankenhaus der Technischen Universität München erreicht werden konnte. Die Entscheidung der Fakultätskommission zur Anerkennung als akademisches Lehrkrankenhaus ist eine große Auszeichnung, die den hohen fachlichen Standard der Klinik sowie den erfolgreichen Einsatz für die qualifizierte Ausbildung unterstreicht. Den Grundstein für diese Ausbildungs-Initiative für junge Ärztinnen und Ärzte legte die Chefärztin bereits im Oktober 2012 beim Besuch des Staatsministers für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch, in der Kreisklinik. „Das neue medizinische Ausbildungskonzept, das in Dillingen umgesetzt wird, ist bundesweit einmalig. Das Konzept legt den Schwerpunkt der PJ-Ausbildung auf den Bereich der Allgemeinmedizin mit Blick auf die Hausarzt-Ausbildung. Damit werden Medizinstudenten früh an die hausärztliche Tätigkeit im ländlichen Bereich herangeführt und können so für diese berufliche Perspektive begeistert werden. Ich begrüße diese Initiative. Wir können mit ihr dem drängenden Problem des Hausärztemangels im ländlichen Raum entgegensteuern. Deshalb habe ich sie von Anfang an sehr gerne unterstützt“, betonte der Minister bei der Pressekonferenz zur Verkündung der Entscheidung der Fakultätskommission.

 

Mit der feierlichen Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Technischen Universität München und der Kreisklinik St. Elisabeth in Dillingen wurde nach Überzeugung von Landrat Leo Schrell der Startschuss für eine nachhaltige Sicherung der ärztlichen Versorgung in der Region gegeben. „Wir haben als Landkreis Dillingen a.d.Donau und damit als kommunaler Träger der Kreiskliniken gGmbH mit hohen Investitionen und Schwerpunktbildungen in den Kliniken einen Beitrag dazu geleistet, dass auch in den vor uns liegenden Jahren die Menschen der Region auf eine gute ärztliche Versorgung sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich vertrauen können“, so Leo Schrell.

 

Der Landrat dankte bei der Vertragsunterzeichnung MdL Prof. Dr. Georg Barfuß für seine Initiative zum Besuch von Dr. Wolfgang Heubisch in der Klinik, bei dem sich der Minister von den guten Ausbildungsvoraussetzungen in Dillingen überzeugen konnte. Gleichzeitig dankte Schrell sowohl dem Vorsitzenden des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen, MdL Georg Winter, als auch Prof. Dr. Georg Barfuß als Mitglied des Haushaltsausschusses für ihren Einsatz für eine Finanzierung der Kooperation zwischen der TU und der Kreisklinik St. Elisabeth. Georg Winter erklärte dazu, dass für die ersten beiden Jahre eine finanzielle Unterstützung des Projektes bereits gesichert sei. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass der Titel „Lehrkrankenhaus“ eine positive Anziehung auslöst und von der Mitarbeit der jungen Ärzte profitiert. Eine weitere Besonderheit war, so die beiden Abgeordneten Prof. Dr. Georg Barfuß und Georg Winter, dass mit Dillingen ein Haus der Grundversorgung in ein solches wissenschaftliches Projekt aufgenommen wurde.

 

Die Fakultätskommission der Universität zeigte sich beeindruckt von dem Lehrkonzept, das Chefärztin Dr. med. Ulrike Bechtel in Zusammenarbeit mit den Hausärzten der Region und den Fachabteilungen der Kreisklinik erstellt hat. Von Beginn des Projekts an erfolgte eine enge Abstimmung mit Prof. Dr. med. Antonius Schneider, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin der TU München. Internationale Forschungsergebnisse wurden ebenso eingebunden wie die traditionellen Aufgaben der Hausärzte in der Familienmedizin. Besonders Wert gelegt wird dabei auf die Entwicklung von Kompetenz in der Kommunikation, das Herstellen vertrauensvoller Patientenbeziehungen über Jahre und auch auf Prävention, eine verantwortliche Stufendiagnostik und Bereiche wie Geriatrie und Palliativmedizin. Prof. Dr. med. Antonius Schneider, der das Modellprojekt federführend mitbetreut, konnte sich in mehreren Besuchen von der Ausbildungsqualität in Dillingen überzeugen: „Das Lehrkonzept in der Klinik ist didaktisch hervorragend und die Begeisterung der Lehrenden sowohl im Krankenhaus als auch in den Praxen außerordentlich. In Dillingen lernen die Studierenden, was man in der alltäglichen hausärztlichen Versorgung wirklich braucht.“ Ein innovativer Stundenplan zwischen Klinik und Praxis soll die jungen Ärztinnen und Ärzte nicht nur medizinisch-fachlich, organisatorisch und betriebswirtschaftlich ausbilden, sondern ihnen vor allem auch den Mut und die Begeisterung zur selbstständigen ärztlichen Tätigkeit im ländlichen Raum vermitteln.

 

Auch die Fakultät für Medizin und das Klinikum rechts der Isar der TU München sehen sich bei der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in der gesellschaftlichen Verantwortung. Der Ärztliche Direktor des Klinikums rechts der Isar, Prof. Dr. med. Reiner Gradinger: „Als Universitätsklinikum gehört es zu unseren Kernaufgaben, fachlich qualifizierte und menschlich engagierte junge Ärzte auszubilden. Dabei ist es uns ein besonderes Anliegen, während des Studiums nicht nur umfassendes theoretisches Wissen, sondern auch fundierte praktische Fertigkeiten zu vermitteln. Um unseren Studierenden vielfältige Angebote für Einsätze in der Praxis machen zu können, arbeiten wir dafür mit sorgfältig ausgewählten Lehrkrankenhäusern und Lehrpraxen zusammen. Für eine Kooperation müssen sie hohe Qualitätsvorgaben erfüllen, die regelmäßig überprüft werden.“

 

Unterstützung erfuhr die Kreisklinik dabei sowohl vom Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Dr. med. Wolfgang Krombholz, als auch vom Vorsitzenden des Bayerischen Hausärzteverbandes: „Frau Dr. med. Ulrike Bechtel, Chefärztin der Inneren Medizin in der Kreisklinik St. Elisabeth in Dillingen, leistet dort hervorragende Arbeit und engagiert sich zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort sehr stark für die Etablierung des Weiterbildungsverbundes der Region“, so Dr. med. Dieter Geis in seinem Schreiben an den Dekan der Universität München. Er betont weiter: „Die Förderung und Vorhaltung eines fachlich gut strukturierten Weiterbildungsangebotes ist ein wesentlicher Baustein, um die Akzeptanz des Hausarztberufes nachhaltig zu stärken und dem Hausärztemangel entgegenzuwirken.“

 

Deutschland ist konfrontiert mit einem zunehmenden Ärztemangel, der sich in den ländlichen Regionen Bayerns dramatisch verschärft, sowohl in der hausärztlichen Versorgung als auch in den Kliniken, inzwischen sogar in der Besetzung der Notarztstandorte.

 

Dazu im Einzelnen:

 

  • 30 % der Hausärzte in Bayern sind älter als 60 Jahre.
  • 3.000 Hausärzte werden in den nächsten fünf Jahren ausscheiden.
  • Dem stehen pro Jahr nur 150 - 200 neue Allgemeinmediziner gegenüber.
  • Derzeit wird in Bayern pro Woche eine Hausarztpraxis mangels Nachfolger geschlossen.
  • 600 offene Klinikstellen können in Bayern derzeit nicht besetzt werden.

 

Parteiübergreifend sind sich die Spitzengremien und Institutionen der Gesundheitspolitik einig in der Sorge, wie sich die medizinische Versorgung der Menschen im ländlichen Raum in den kommenden Jahren sichern lässt. Insbesondere Bayern als Flächenland hat hier große Herausforderungen zu meistern.

 

Das gegenwärtige traditionelle Lehrkonzept der Bundesrepublik, in dem Medizinstudierende fast ausschließlich in Universitäts-Großstädten in hoch spezialisierten Kliniken der Maximalversorgung ausgebildet werden, begünstigt das zunehmende Ungleichgewicht der medizinischen Versorgung zwischen Stadt und Land. Den speziellen Lernzielen und individuellen Ausbildungsbedürfnissen der hausärztlichen Allgemeinmedizin i.S. einer breit angelegten, interdisziplinären Versorgung kommt die Kreisklinik St. Elisabeth in Dillingen im Verbund mit dem regionalen Praxisnetzwerk PRADIX ideal entgegen.

 

Zukunftsweisend hatte die Technische Universität München als erste bayerische Universität im Juli 2009 einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin eingerichtet. Bereits seit 2010 bildet die Kreisklinik St. Elisabeth Dillingen zusammen mit dem regionalen Ärztenetzwerk PRADIX den ersten Weiterbildungsverbund des Lehrstuhls für Allgemeinmedizin der TU in Bayern. Zahlreiche Medienberichte in Rundfunk und Fernsehen zeugen seither von der Begeisterung der jungen Ärztinnen und Ärzte für das Lehrkonzept an „ihrer“ Kreisklinik Dillingen. Mit der Anerkennung als akademisches Lehrkrankenhaus der Technischen Universität München können jetzt bereits Studierende an der innovativen Ausbildung teilnehmen.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen der Kreiskliniken Dillingen-Wertingen gGmbH und der TU München als akademisches Lehrkrankenhaus

 

Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen der Kreiskliniken Dillingen-Wertingen gGmbH und der TU München – Fakultät für Medizin – wurde die Anerkennung des Krankenhauses St. Elisabeth in Dillingen a.d.Donau als akademisches Lehrkrankenhaus der Technischen Universität München besiegelt. Im Bild von links (sitzend): Landrat Leo Schrell, Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch, Prof. Dr. med. Reiner Gradinger (ärztlicher Direktor der TU München) und Prof. Dr. med. Antonius Schneider (Leiter des Instituts Allgemeinmedizin der TU München); stehend von links: Geschäftsführer Uli-Gerd Prillinger (Kreiskliniken), MdL Prof. Dr. Georg Barfuß, Chefärztin Dr. med. Ulrike Bechtel und MdL Georg Winter.

 

Dillingen a.d.Donau, 08.03.2013

Peter Hurler, Pressesprecher des Landratsamtes Dillingen a.d.Donau

Tel.Nr. 09071 / 51-138

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