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Landratsamt gibt Tipps bei Juckreiz und Hautausschlägen nach dem Baden in Badeseen

In den letzten Tagen wurde der Fachbereich Gesundheit beim Landratsamt Dillingen aus der Bevölkerung über verstärkt auftretenden Juckreiz und Hautausschläge nach dem Baden in Baggerseen informiert.

Bei derartigen Hautausschlägen handelt es sich häufig um eine Badedermatitis, auch Entenbilharziose, Zerkarien-Dermatitis oder im Volksmund "Weiherhibbel" genannt. Die Badedermatitis wird durch Larvenstadien (Zerkarien) bestimmter Saugwürmer verursacht. Diese Saugwürmer haben einen komplexen Entwicklungszyklus mit Wirtswechsel. Als natürliche Endwirte (in denen die erwachsenen Saugwürmer leben und sich vermehren) gelten verschiedene Arten von Wasservögeln, darunter Enten, Gänse und Schwäne. Eier dieser Saugwürmer werden mit dem Kot des befallenen Vogels ins Wasser ausgeschieden. Im Wasser schlüpfen kleine Larven, die so klein sind, dass sie in Süßwasserschnecken eindringen können und sich in diesem Zwischenwirt durch ungeschlechtliche Vermehrung zu Zerkarien, den frei schwimmenden Larvenstadien (Gabelschwanzlarven), entwickeln.

Diese Zerkarien bohren sich auf der Suche nach einem geeigneten Endwirt auch in die Haut des Menschen. Dort werden sie in der Regel beim Erstkontakt durch das Immunsystem des Menschen abgetötet. Generell ist der Mensch im Entwicklungszyklus dieser Saugwürmer ein sogenannter Fehlwirt, in dem sich der Parasit weder über längere Zeit halten noch weiterentwickeln kann.

Vor allem von Juni bis September mit einem Maximum im Juli bis Anfang August ist mit Zerkarien zu rechnen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem vermehrten Auftreten der Badedermatitis, einer stetig steigenden Anzahl an Badegästen und wäremeren Wassertemperaturen. Die Wassertemperatur und lange Sonnenscheinperioden können einen Einfluss auf die Anzahl der infizierten Schnecken haben, mit der Folge, dass die Infektionsgefahr für die Badegäste steigt.

Der Erstkontakt verläuft in der Regel ohne klinische Symptome, es kann jedoch gelegentlich auch schon nach wenigen Minuten nach dem erstmaligen Kontakt ein leichtes Hautjucken auftreten, das von kleinen roten Flecken begleitet ist. Wird der gleiche Mensch zu einem späteren Zeitpunkt nochmals befallen, kann dies durch eine Sensibilisierung zu der für das Bild der Badedermatitis typischen allergischen Reaktion, einem juckenden Hautausschlag führen. Die Symptome klingen nach 10 bis 20 Tagen ab.

Die Badedermatitis wird ausschließlich symptomatisch behandelt, vor allem durch die Verabreichung von juckreiz- und entzündungshemmenden Salben, Gelen oder Lotionen.

In Gewässern, in denen Zerkarien auftreten, können folgende Verhaltensweisen das Risiko eines Zerkarienbefalls verringern:

  • Längere Aufenthalte im Flachwasserbereich vermeiden (gerade Kinder sind gefährdet)
  • Meiden von oder nur kurzer Aufenthalt in Bereichen mit dichtem Wasserpflanzen-Bewuchs
  • Baden in den frühen Morgenstunden vermeiden, da sich in dieser Zeitspanne die meisten frei schwimmenden und damit infektiösen Zerkarien im Wasser aufhalten
  • Badeverbot bei massivem Befall, um eine Reduzierung der Zerkarien, die eine max. Lebensspanne von 2,5 Tagen haben, zu ermöglichen
  • Bevorzugt in tieferen oder leicht strömenden Bereichen schwimmen
  • Nach dem Schwimmen die Badesachen wechseln
  • Körper mit einem Handtuch gut abreiben (Zerkarien trocknen schnell aus)

 

Dillingen a.d.Donau, 28.06.2019

Peter Hurler, Pressesprecher

Tel.Nr. 09071/51-138

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