Vorlesen lassen:
Markieren Sie den gewünschten Text einfach mit der Maus

Corona-Pandemie, bislang vom Landratsamt Dillingen a.d.Donau veranlasste Maßnahmen

Stand vom 16.03.2020

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

im Folgenden möchte ich Ihnen einen Bericht über unsere bisherigen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus geben:

1. Maßnahmen zur Abflachung der epidemiologischen Kurve – Verlangsamung der Weiterverbreitung

 

  • Seit Ende Januar sind die Ärztinnen des Gesundheitsamtes in einer Rufbereitschaft rund um die Uhr. Sie sind erreichbar für die Polizei, die Krankenhäuser, die Labore und die Rettungsdienste.
  • Mit Beginn der ersten Corona- Fälle in Deutschland steht das Gesundheitsamt den Bürger*innen für ihre Fragen zur Verfügung und klärt über den Sinn der Maßnahmen auf.
  • Veranstalter werden seit Mitte Februar beraten, welche Veranstaltungen durchgeführt werden können und wenn ja unter welchen Bedingungen und welche nicht.
  • Mit den Veranstaltern der WIR wurde im Vorfeld ein Konzept erarbeitet, unter welchen Voraussetzungen die WIR stattfinden kann. In Abstimmung mit den Ausstellern und unter strenger Berücksichtigung des damals aktuellen Infektionsgeschehens (wenige Fälle in Deutschland, keine besonders betroffenen Regionen, kein Fall im Landkreis) wurde nach den Vorgaben des RKI zum Umgang mit Großveranstaltungen entschieden, die Messe nicht abzusagen (regionale Aussteller, gute Belüftung, Hinweise zur Hygiene an Besucher und Aussteller). Die Notwendigkeit zur Absage von Großveranstaltungen über eine Allgemeinverfügung ergab sich erst nach der WIR. Aufgrund der Dynamik der Lage wurde vom Gesundheitsamt zunehmend geraten, auch kleinere Veranstaltungen abzusagen. Das Gesundheitsamt stand und steht mit vielen Veranstaltern beratend in Kontakt.

Diese Maßnahmen dienen dazu, die Neuerkrankungsrate zu senken und Infektketten zu durchbrechen.

  • Dadurch wird auch Zeit gewonnen, um Kapazitäten in den Krankenhäusern zu erhöhen und die Vernetzung der Krankenhäuser untereinander zu stärken:
  • Die Verantwortlichen der beiden Krankenhäuser treffen sich unter Beteiligung des Gesundheitsamtes seit dem 26.02.2020 wöchentlich und inzwischen täglich in einem Krisenstab, um sich auf die medizinische Versorgung von COVID-Kranken im Landkreis einzustellen.
  • Seit dieser Zeit werden alle hoch fieberhaften, schweren Infektionen gleichzeitig auf Influenza und SARS-Cov-2 untersucht.
  • Beschaffung von Materialien zur persönlichen Schutzausrüstung des Personals erfolgt auf dem derzeit knappen Markt
  • Außerdem bereiten sich die Krankenhäuser in einem medizinisch vertretbaren Umfang darauf vor, zusätzliche Betten zur Versorgung von Covid-19 Kranken zur Verfügung zu stellen und dies möglichst so, dass die Versorgung anderer Patienten nicht oder nur eingeschränkt darunter leidet.
  • Außerdem werden zusätzliche Kapazitäten durch Verschieben von elektiven Operationen in beiden Häusern geschaffen.
  • Darüber hinaus wurden neben den zwei Allgemeinverfügungen des Gesundheitsministerium (Schulschließung, Besuchsverbot in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen) zusätzliche Maßnahmen verfügt: Schließung der Kreishallenbäder und Sporthallen, der Kreisfahrbücherei und massive Einschränkungen beim ÖPNV sowie im Parteiverkehr des Landratsamtes. Das Landratsamt darf nur noch bei unaufschiebbaren Dienstgeschäften und nach vorheriger Absprache (Telefon oder E-Mail) mit dem Sachbearbeiter/der Sachbearbeiterin betreten werden. Siehe dazu auch eigene Pressemitteilung.
    Zudem wurde ein Bürgertelefon (8:00 bis 19:00 Uhr) eingerichtet (Tel: 09071/51-350)

 

2. Wie stellen wir Coronavirusfälle fest und wie erfolgt die Nachverfolgung von Kontakten durch unser Gesundheitsamt?

 

Seit Beginn der ersten Fälle in Deutschland agiert unser Gesundheitsamt auf Basis der fachlichen Vorgaben des Robert-Koch- Instituts (RKI).

  • Das Gesundheitsamt sorgt dafür, dass jeder begründete Verdachtsfall, der bekannt wird, eine Diagnostik mittels eines Rachenabstrichs bekommt. Definition: Personen mit Atemwegsymptomen mit und ohne Fieber, die innerhalb von 14 Tagen aus einem Risikogebiet zurückkehren oder Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten.

Diese Rachenabstriche wurden anfangs vom Gesundheitsamt durchgeführt bis die kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) einen Bereitschaftsdienst aufgebaut hatte. Aktuell werden alle symptomatischen Patienten nach diese Kriterien im Rahmen eines Hausbesuchs durch eine/n Bereitschaftsarzt/ärztin aufgesucht und abgestrichen. Der Bereitschaftsdienst kann in diesen begründeten Verdachtsfällen unter der Nummer 116 117 angefordert werden oder vom Gesundheitsamt beauftragt werden.

Immer noch – und nicht nur im Landkreis Dillingen- müssen Personen mit unspezifischen Symptomen und mit einem geringen Risiko einer Ansteckung davon überzeugt werden, dass kein Test erforderlich ist. Die Labore haben nur begrenzte Kapazitäten, und es ist wichtig, dass Kranke mit einem hohen Risiko einer Erkrankung in der Diagnostik Vorrang haben.

  • Alle Kontaktpersonen der Kategorie I (> 15 Minuten Sprechkontakt – face to face) und Kategorie II (weniger als 15 Minuten kumulativer Kontakt) werden durch das für den Fall zuständige Gesundheitsamt ermittelt oder melden sich bei dem für ihren Wohnort zuständigen Gesundheitsamt.

Kontaktpersonen der Kategorie I werden mit und ohne Symptome durch das Gesundheitsamt getestet und während der 14 Tage Quarantäne konsequent beobachtet und täglich durch das Gesundheitsamt kontaktiert.

So sollen Infektketten frühzeitig unterbrochen werden.

Wir stehen derzeit erst am Anfang der pandemischen Ausbreitung in Deutschland. Jeder Landkreis, jedes Bundesland, jedes Land in Europa wird im Versorgungssystem an seine Grenzen stoßen.

Deutschland und auch der Landkreis Dillingen ist im Moment sehr gut aufgestellt, die bisherigen Maßnahmen scheinen zu greifen.

Im Landkreis Dillingen wurden und werden die erforderlichen Maßnahmen in verschiedenen Eskalationsstufen eingeleitet und konsequent umgesetzt.

Eine Epidemie verbreitet sich nicht gleichmäßig in allen Regionen und es wird in den nächsten Wochen auch in Deutschland (Bayern) viele regionale Häufungen geben. Der Landkreis kann jetzt noch keinen Fall haben und in einigen Tagen bereits eine Vielzahl von Fällen.

Abschließend kann ich Ihnen versichern, dass wir auch künftig besonnen und konsequent handeln werden. Dabei bitte ich zu bedenken, dass sich derzeit die Lage ständig – teilweise mehrfach täglich – ändert und das, was heute gilt, morgen bereits überholt sein kann.
Für alle Einschränkungen bitte ich im Interesse der Solidarität mit den älteren und kranken Menschen herzlich um Ihr Verständnis.

 

Mit freundlichen Grüßen

Leo Schrell, Landrat

 

Drucken