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Weitere Informationen von Landrat Leo Schrell zur Corona-Krise (Stand 07.05.2020)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ist Corona überwunden? Die Einen beklagen sich unverändert über die aus ihrer Sicht zu strengen und zu lange andauernden Beschränkungen, andere äußern große Sorge, dass die beschlossenen Lockerungen zu vielen weiteren Sterbefällen führen könnten.

Absolute Wahrheiten und den einen Königsweg zur schnellen Überwindung der Corona – Pandemie gibt es nach meiner Überzeugung leider nicht. Wir befinden uns in einem ständigen Lernprozess und müssen die notwendigen Entscheidungen an den Fakten orientieren. Der Schutz des Lebens muss dabei an oberster Stelle stehen.

Zunächst zu den Fakten in unserem Landkreis Dillingen. Stand heute, Donnerstag, 07.05.2020, 10:00 Uhr, haben wir im Landkreis Dillingen seit Beginn der Pandemie insgesamt 260 bestätigte Corona – Infektionen zu verzeichnen. Das sind lediglich 5 Personen mehr als zum gleichen Zeitpunkt in der vergangen Woche. Davon sind inzwischen 182 Menschen wieder genesen, das sind 53 Personen mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorwoche. Inzwischen haben wir leider 21 Todesfälle zu beklagen, damit einen Todesfall mehr als am Donnerstag vergangener Woche. Sehr froh bin ich darüber, dass es derzeit keinen einzigen Verdachtsfall gibt. Das bedeutet, dass aktuell im Landkreis Dillingen 57 Menschen am Corona – Virus erkrankt sind. Die mit Abstand niedrigste Zahl der vergangenen Wochen.

In der Gesamtbetrachtung ist auch die Belastung unserer beiden Krankenhäuser sehr wichtig. Stand heute haben wir in unserem Krankenhaus in Dillingen einen Covid – 19 – Patienten in Behandlung. In unserem Krankenhaus in Wertingen ist derzeit kein Corona – Patient zu behandeln. Diese Zahlen zeigen, dass sich die Situation in unseren beiden Krankenhäusern nochmals entspannt hat (Vorwoche insgesamt sechs Patienten) und sich derzeit als unproblematisch darstellt.

Angesichts der Entwicklung der Infektionszahlen in Bayern und auch in unserem Landkreis Dillingen halte ich die inzwischen beschlossenen Lockerungen der bayerischen Staatsregierung für angebracht. Die aktuelle bayerische Strategie ist auf die Zeit bis Pfingsten abgestimmt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die pandemische Lage zum jeweiligen Stichtag die einzelnen Lockerungen auch als vertretbar erscheinen lassen. Das bedeutet konkret, dass die jeweiligen Lockerungen nur dann in Kraft treten, wenn sich die Zahlen auch künftig positiv darstellen. Dabei kann es, abhängig vom Infektionsgeschehen, von Landkreis zu Landkreis andere Entscheidungen geben.

Im Folgenden in zusammengefasster Form einige Erleichterungen bei den Corona – Maßnahmen:

Ausgangsbeschränkung

Mit Wirkung seit dem gestrigen 06. Mai 2020 entfällt die allgemeine Ausgangsbeschränkung. Allerdings gelten die Kontaktbeschränkung und das Distanzgebot weiterhin. Deshalb ist jeder angehalten, die physischen Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Mindestmaß zu beschränken. Wo immer möglich, ist ein Mindestabstand zwischen zwei Personen von 1,50 m einzuhalten. Auch Ansammlungen im öffentlichen Raum bleiben verboten.

Allerdings ist es künftig erlaubt, neben einer weiteren Person auch die engere Familie, d.h. neben den Ehegatten, Lebenspartnern und Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, auch Kinder, Eltern, Großeltern und Geschwister zu treffen oder zu besuchen. Dies ist sowohl in privat genutzten Räumen als auch auf privat genutzten Grundstücken möglich. Ausdrücklich auch für Familien nicht erlaubt ist das Feiern und Grillen auf öffentlichen Plätzen.

Unterricht an Schulen

Ab 11. Mai soll der Präsenzunterricht für die Vorabschlussklassen der weiterführenden Schulen (Gymnasium: 11. Klasse/ Realschule: 9. Klasse/ Mittelschule: 8. Klasse) sowie für die 4. Klassen der Grundschulen beginnen.

Ab dem 18. Mai soll der Präsenzunterricht für die 1. Klassen der Grundschulen, die 5. Klassen der Mittelschulen, die 5. und 6. Klassen der Realschulen und die 5. und 6. Klassen der Gymnasien beginnen.

Nach den Pfingstferien ist Ziel, die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts für alle weiteren Jahrgangsstufen im wöchentlichen Wechsel.

Um das auch in den Schulen gültige Abstandsgebot weitestgehend einhalten zu können, sollen geteilte Lerngruppen umgesetzt werden. Dazu ist – je nach konkreter Situation vor Ort – in aller Regel ein gestaffelter Unterrichtsbetrieb im wöchentlichen Wechsel der Gruppen (d.h. im wöchentlichen Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Unterricht zuhause) anzustreben. Nähere Auskünfte erteilen die jeweiligen Schulen.

Keine Änderung gibt es bei den Ferienzeiten. Deshalb bleiben die Pfingstferien und auch die Sommerferien unverändert bestehen. Da viele Eltern ihren gesamten oder nahezu gesamten Urlaubsanspruch für 2020 bereits eingebracht haben, sollen in den Pfingst- und Sommerferien Notbetreuungen in den Schulen organisiert werden.

Kindertagesbetreuung

Die zuständigen Ministerien werden ein Konzept für das schrittweise Hochfahren der Kindertagesbetreuung (Kindertagestätten, Kindertagespflege, Kindergärten, usw. ) erarbeiten.

In einem ersten Schritt soll ab dem 25. Mai 2020 der bestehende Notbetrieb ausgeweitet werden. Im Einzelnen:

  • Die Tagespflege soll geöffnet werden (max. fünf fremde Kinder gleichzeitig), die Ganztagespflege bleibt vorerst geschlossen.
  • Öffnung von Waldkindergärten
  • Betreuung von Kindern mit besonderem erzieherischem Bedarf (§27 SGB VIII) und Kindern mit Förderbedarfen
  • Betreuung von Kindern mit (drohender) Behinderung 
  • Betreuung von Hortkindern der 4. Klasse
  • Betreuung von Kindern Studierender und Alleinerziehender.

Außerdem sollen privat organisierte, nachbarschaftliche oder familiäre, wechselseitige Kinderbetreuung in festen Kleingruppen ermöglicht werden. In den Pfingst- und Sommerferien soll die Notbetreuung sichergestellt werden.
Eine Maskenpflicht gilt für die Kinder nicht. Allerdings sollen Erzieherinnen und Erzieher beispielsweise beim Wickeln oder bei der Verabreichung von Nahrung Masken traten. Zudem sollen die Abholzeiten der Eltern gestaffelt werden.

Besuchsverbot in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen usw.

Mit Wirkung ab dem 09. Mai wird das bestehende Besuchsverbot in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen, Intensivpflegeeinrichtungen, Altenheimen, Seniorenresidenzen und stationären Einrichtung für Menschen mit Behinderungen gelockert. Voraussetzung ist die strikte Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen.

Möglich wird der Besuch einer festen, registrierten Kontaktperson oder eines Familienmitgliedes mit fester Besuchszeit, der Einhaltung des Mindestabstandes von 1,50 m und der Pflicht zum Tragen eines Mund–Nasen–Schutzes für Besucher und besuchte Personen sein. Einzelheiten werden vor Ort in den Einrichtungen geregelt.

Handels- und Dienstleistungsbetriebe

Ab dem 11. Mai 2020 ist die Öffnung aller Handels- und Dienstleistungsbetriebe (Groß- und Einzelhandel mit Kundenverkehr) unter Auflagen (z.B. Maskenpflicht) erlaubt. Die bislang geltende Beschränkung auf eine Verkaufsfläche von 800 qm wird aufgehoben. Auch Einkaufszentren und Wochenmärkte können unter Beachtung besonderer Auflagen wieder öffnen. Die jeweiligen Betreiber haben ein Schutz-, Hygiene- und ggf. ein Parkplatzkonzept auszuarbeiten.

Gastronomie, Hotellerie und Tourismus

Ab 18. Mai 2020 dürfen zunächst die Außenbereiche (Biergärten) und ab 25. Mai die Innenbereiche von Gaststätten geöffnet werden. Allerdings gibt es Einschränkungen bei den Öffnungszeiten und wegen des Abstandsgebotes eine Begrenzung der Gästezahlen. Zudem müssen Hygiene – Konzepte durch die Betriebe ausgearbeitet werden.

Ab Pfingstsamstag, 30. Mai 2020, sollen die Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze wieder geöffnet werden dürfen. Außerdem auch Angebote in Tourismus, wie beispielsweise die Schlösser, die Seenschifffahrt und Freizeitparks.

Sport

Ab dem kommenden Montag, 11. Mai 2020, wird es im Freizeit- und Breitensport wieder deutlich mehr Möglichkeiten geben. Allerdings sind auch in diesem Zusammenhang Einschränkungen zu beachten. So sind physische Kontakte auf das absolute notwendige Mindestmaß zu begrenzen und der Mindestabstand von 1,50 m ist einzuhalten. Der Sport darf nur allein oder allenfalls in Kleingruppen von bis zu fünf Personen ausgeübt werden. Zuschauer sind nicht zugelassen. Somit sind beispielsweise Tennis, Leichtathletik, Golf, Segeln, Reiten (auch in der Halle) und Flugsport ab 11. Mai wieder möglich.

Betriebe und Einrichtungen

Ab 11. Mai können auch folgende Einrichtungen und Betriebe wieder geöffnet werden:

  • Tierparks und botanische Gärten mit Auflagen (Einlasskontrolle, 20 qm – Regel, Abstand, nur in den Außenanlage, keine Gastronomie, kein Streichelzoo)
  • Bibliotheken, Museen, Galerien, Ausstellungen und Gedenkstätten mit Auflagen (20 qm – Regel, Abstand, kein Gastronomiebetrieb)
  • Fahrschulen mit Auflagen (Theorie: Abstand; Praxis: Mund–Nasen–Schutz)
  • Musikschulen mit Auflagen (Einzelunterricht auch zuhause, Abstandsregel beachten)

Schwimmbäder und Fitnessstudios müssen bis auf Weiteres geschlossen bleiben.

Abschließend bitte ich Sie unverändert um Ihr vernünftiges Verhalten in dieser besonderen Situation. Dabei sollten wir alle bedenken, dass sich über das richtige Maß der Beschränkungen ewig streiten lässt. Nach meinem Verständnis ist die allentscheidende Frage in diesem Zusammenhang, welchen Preis wir alle, welchen Preis unsere Gesellschaft bereit ist zu zahlen, um Leben zu schützen?

Bleiben Sie gesund!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr


Leo Schrell

Landrat

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