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Weitere Informationen von Landrat Leo Schrell zur Corona-Krise (Stand 27.03.2020)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Stand heute um 10:00 Uhr haben wir im Landkreis Dillingen insgesamt 29 erkrankte Personen, davon leider einen Todesfall, und 162 Personen, die sich in Quarantäne befinden. Die Zahlen sind in den zurückliegenden Tagen jeweils leicht angestiegen. In unseren beiden Krankenhäusern in Dillingen und in Wertingen haben wir uns sehr gut auf weiter steigende Krankheitsfälle vorbereitet. So werden beispielsweise seit Anfang vergangener Woche keine elektiven Eingriffe mehr durchgeführt, sodass wir sowohl freie Bettenkapazitäten als auch freie Intensivbetten und Beatmungsgeräte zur Verfügung haben. Darüber hinaus wurde in den Zugangsbereichen unserer beiden Krankenhäuser jeweils eine Screeningstation eingerichtet, sodass die Corona-Patienten getrennt erfasst und behandelt werden können. Außerdem wurden weitere organisatorische Maßnahmen getroffen, um eine höchst mögliche Sicherheit gewährleisten zu können.

Zur Beantwortung unterschiedlichster Fragen haben wir im Landratsamt seit vielen Tagen ein Bürgertelefon eingerichtet. Dieses ist von 8 bis 19 Uhr mit bis zu 4 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt, auch an den Wochenenden. So können wir viele Fragen aus der Bevölkerung beantworten und hoffentlich auch in vielen Fällen helfen. Außerdem haben wir seit der Ausrufung des Katastrophenfalles durch den Freistaat Bayern im Landratsamt eine Gruppe eingerichtet, die sämtliche Maßnahmen des Katastrophenschutzes koordiniert und organisiert. Um die dauerhafte Funktionsfähigkeit unserer Verwaltung auch bei Auftreten eines Corona-Falles gewährleisten zu können, arbeiten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im täglichen Wechsel im Home-Office.

Um bei weiter steigenden Krankheits- oder Verdachtsfällen die durchzuführenden Abstriche bei den davon betroffenen Menschen möglichst zeitnah und sicher durchführen zu können, werden wir mit Beginn der neuen Woche eine sogenannte Drive-Through-Station einrichten. Auch in diesem Zusammenhang bin ich den Damen und Herren der Ärzteschaft, die sich bereiterklärt haben, den medizinischen Part zu übernehmen, äußerst dankbar. Bitte erlauben sie mir dazu den Hinweis, dass Abstriche nur bei den Personen erfolgen können, für die von den Ärzten oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst eine entsprechende Diagnose gestellt wurde. Eine Eigendiagnose ist nicht ausreichend und deshalb wird bei der Station auch eine Eingangskontrolle stattfinden. Dafür bitte ich auch im Interesse der effizienten Nutzung der Laborkapazitäten um Verständnis.

Die bisher gemachten Erfahrungen zeigen, dass der größte Teil der Corona-Patienten nach etwa zwei Wochen genesen und nach Ansicht führender Virologen für mindestens zehn Jahre gegen Corona immun ist. Sehr positiv sehe ich auch die Tatsache, dass die weiter bestehende vorläufige Ausgangsbeschränkung und die Allgemeinverfügung zu den Veranstaltungsverboten und Betriebsuntersagungen bei den Menschen in unserem Landkreis Dillingen nach wie vor sehr große Akzeptanz finden. Bitte bleiben sie im Interesse der Sicherheit von uns allen, insbesondere der gesundheitlich geschwächten und alten Menschen, weiterhin diszipliniert!

Unter dem Eindruck der spürbaren Einschränkungen fragen sich inzwischen einige Menschen auch in unserem Landkreis, wie lange diese Maßnahmen notwendig sind. Nach meiner Einschätzung kann diese Frage derzeit niemand präzise beantworten. Es wäre unseriös, Spekulationen anzustellen, während die Anzahl der Erkrankungen noch steigt. Wir müssen alles dafür tun, die Infektionskette zu durchbrechen. Erst wenn dies gesichert erkennbar ist, kann seriöserweise darüber diskutiert werden, wann die Einschränkungen des öffentlichen Lebens gelockert oder aufgehoben werden können. Dazu benötigen nach meinem Verständnis die Verantwortlichen im Bund, in den Ländern und auch wir in den Landkreisen die Hilfe der Wissenschaft. Für den Abwägungsprozess und verantwortungsvolle Entscheidungen sind die Entwicklung der Infektionskette, die Risikoabschätzung und weitere Aspekte unverzichtbar. Deshalb nochmals: Erst wenn die Fakten dafür sprechen, können wir sinnvollerweise die Diskussion über die Lockerung der Beschränkungen führen. Dafür ist es derzeit noch zu früh.

Abschließend wünsche ich Ihnen trotz der schwierigen Gesamtsituation ein entspanntes und gesundes Wochenende!

 

Ihr

Leo Schrell
Landrat

 

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