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Weitere Informationen von Landrat Leo Schrell zur Corona-Krise (Stand 30.04.2020)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

zunächst einen kurzen statistischen Überblick zur Corona-Lage in unserem Landkreis Dillingen. Stand heute, Donnerstag, 30. April 2020, 10:00 Uhr, haben wir im Landkreis Dillingen 255 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen. Das sind elf Personen mehr als zur gleichen Zeit am gestrigen Tag. Davon sind 129 Menschen bereits wieder genesen, das sind sieben Personen mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vortages. Zwischenzeitlich haben wir leider 20 Todesfälle zu beklagen, damit einen Todesfall mehr als am gestrigen Tag.

Die Frage, ob wir im Landkreis Dillingen a.d.Donau die Lage im Griff haben, hängt ganz entscheidend vom Infektionsgeschehen und auch von den verfügbaren Krankenhauskapazitäten ab. In dieser Hinsicht bin ich sehr beruhigt, weil in unserem Krankenhaus in Dillingen, Stand heute, lediglich vier Covid-19–Patienten behandelt werden müssen. Keiner davon ist in intensivmedizinischer Betreuung. In unserem Krankenhaus in Wertingen sind es zwei Patienten, die beide intensivmedizinisch betreut werden müssen. Diese Zahlen zeigen, dass sich die Situation in unseren beiden Krankenhäusern derzeit unproblematisch darstellt. Dessen ungeachtet bedanke ich mich auch heute nochmals bei den behandelnden Ärzten und dem Pflegepersonal sehr herzlich für ihren enormen Einsatz.

Aus meiner Sicht gilt es jetzt abzuwarten, wie sich die zwischenzeitlich umgesetzten Lockerungen auf das Infektionsgeschehen auswirken werden. In diesem Zusammenhang wird auch eine wichtige Rolle spielen, ob die Menschen das Abstandsgebot und die Maskenpflicht konsequent befolgen.

Der bayerische Ministerrat hat im Verlaufe dieser Woche beschlossen, dass ab kommendem Montag, 4. Mai 2020, unter klar definierten Voraussetzungen wieder Versammlungen stattfinden können. Daran dürfen höchstens 50 Personen teilnehmen, zwischen allen Teilnehmern muss durchgängig ein Mindestabstand von 1,50 m gewahrt sein und die Versammlung darf nicht länger als 60 Minuten dauern. Ausnahmen von diesen Kriterien sind nur unter ganz strengen Voraussetzungen möglich. Obwohl diese Regelung erst ab dem 4. Mai 2020 in Kraft tritt, können wir als Landratsamt Dillingen bereits aktuell, also vor dem 4. Mai 2020, entsprechende Genehmigungen erteilen.  

In diesem Zusammenhang ist auch die Frage aufgetaucht, ob Jahreshauptversammlungen von Vereinen, Gesellschaften oder sonstigen Vereinigungen durchgeführt werden dürfen. Dies ist leider nicht möglich. Der Beschluss des Ministerrates bezieht sich allein auf Versammlungen im Sinne des Art. 8 des Grundgesetzes, also nicht auf Jahreshauptversammlungen von Vereinen und anderen Personengruppen.

Auch Gottesdienste dürfen ab 4. Mai 2020 unter bestimmten Voraussetzungen wieder stattfinden. Auch hier gilt eine Begrenzung der Teilnehmerzahl. In Abhängigkeit von der Zahl der Sitzplätze dürfen höchstens so viele Personen am Gottesdienst teilnehmen, dass zwischen diesen jeweils mindestens zwei Meter Abstand in jede Richtung besteht. Der Gottesdienst ist auf maximal 60 Minuten begrenzt und die Teilnehmer müssen eine Maske tragen. Lediglich der Pfarrer bzw. der liturgische Sprecher bzw. die Sprecherin sind von der Maskenpflicht befreit.

Zunächst hatte der bayerische Ministerrat beschlossen, dass ab vergangenem Montag, 27.04.2020, Geschäfte bis zu einer Verkaufsfläche von 800 qm wieder öffnen dürfen. Allerdings hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof dazu entschieden, dass die Begrenzung der Verkaufsfläche in der ursprünglich beschlossenen Form mit dem Grundgesetz nicht in Einklang steht. Deshalb dürfen seit dieser Woche auch Geschäfte mit einer größeren Verkaufsfläche öffnen. Allerdings darf nicht die gesamte Verkaufsfläche geöffnet werden, sondern lediglich eine Teilfläche von höchstens 800 qm. Darüber hinaus sind selbstverständlich Hygienevorschriften und die Maskenpflicht zu beachten. Kfz-Händler, Fahrradhändler und Buchhandlungen dürfen unabhängig von der Größe der Verkaufsfläche seit vergangenem Montag ebenfalls wieder öffnen. Selbstverständlich sind auch dort die Sicherheits- und Hygienevorschriften zu beachten.

Der jetzige Zeitraum, die Tage um den 1. Mai, sind nach meiner Einschätzung eine wichtige Phase. Die teilweise Öffnung von Schulen und Geschäften, die Wiederaufnahme der Arbeit in vielen Betrieben und auch die Diskussion um weitere Lockerungen sind bedeutende Ereignisse bzw. Abwägungskriterien für die anstehenden politischen Entscheidungen. Diese werden auf die Ergebnisse der nächsten Schaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten am 6. Mai starken Einfluss nehmen. Bis zu diesem Datum soll auch ein Konzept zur weiteren schrittweisen Öffnung von Schulen, Kindertagesstätten und zur Wiederaufnahme des Sportbetriebs erarbeitet werden.

Wenn wir die Entwicklung in Italien, Frankreich und Spanien als Beispiele betrachten, dann dürfen wir in Deutschland und Bayern froh sein, wie wir unseren Weg durch die Krise bisher gehen konnten. Dabei sollten wir allerdings bitte bedenken, dass in Krisen erfahrungsgemäß der kritische Moment meistens dann kommt, wenn der Druck und die Anspannung nachlassen. Deshalb müssen wir unverändert achtsam sein und verantwortungsvoll mit den Lockerungen umgehen.

Bitte beachten Sie deshalb auch am Maifeiertag die Beschränkungen. Leider müssen auch die Gemeinden und Vereine dieses Mal auf das beliebte Aufstellen von Maibäumen als gesellschaftliches Ereignis und wertvolle Tradition im Jahreskreislauf verzichten.

In der Nacht zum 1. Mai werden in unserer Region in privater Regie, insbesondere von jungen Männern, kleine Maibäume aufgestellt. Ich finde das ein sehr schönes Brauchtum. Auch das ist heuer leider nur extrem eingeschränkt möglich. Nämlich nur dann, wenn dies mit einem Angehörigen des eigenen Hausstandes oder (nur) einer haushaltsfremden Person stattfindet. Freinachtsscherze sind dagegen vom Ministerium verboten.

Mir ist sehr bewusst, dass sich über das richtige Maß der Beschränkungen bzw. der Lockerungen trefflich streiten lässt. In diesem Zusammenhang sollten wir uns immer wieder fragen, welchen Preis wir als Gesellschaft bereit sind zu zahlen, um Leben zu schützen? Letzten Endes trifft diese Entscheidung wohl unsere Gesellschaft, also wir als einzelne Mitglieder dieser Gesellschaft!

Abschließend wünsche ich Ihnen einen angenehmen Maifeiertag und ein entspanntes und gesundes Wochenende.

 

Mit herzlichen Grüßen

 

 

Ihr

Leo Schrell

Landrat

 

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